| Bewertungskriterien für Schließzylinder |
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Die bisher vermittelten Kenntnisse helfen nicht viel weiter im Praxisfall, wenn es um die Entscheidung geht, welches Zylinderprinzip, welches Zylinderfabrikat mit welchen Leistungsmerkmalen für eine spezielle Sicherungsaufgabe eingesetzt wird. Da konkurrieren „Sicherheitszylinder“ mit Bohrschutz für 15,- EUR in Baumärkten mit Doppelzylindern ohne weiter spezifizierte Ausstattungsmerkmale für 45,- EUR in Sicherheitsfachgeschäften. Klar, bei dem Preis / Leistungsverhältnis wird der Sicherheitszylinder mit Bohrschurz eingesetzt und das bißchen Einbauen schafft der Self-made-man dann auch noch - wäre doch gelacht. Und dann wird der Schutzbeschlag um 5mm in das Holztürblart versenkt - die Tür mußte ja ohnehin mal gestrichen werden - oder der alte Aluminiumbeschlag mit 6mm Stärke wird - weil der Zylinder etwas zu kurz ist - aus der Kramkiste geholt, damit die fehlende Länge des Profilzylinders ausgeglichen wird. Und übrigens, die über die mitgelieferte Stückzahl von drei Schlüsseln benötigte Anzahl gibt es gleich neben dem Lebensmittelladen, dort wo Mama auch ihre Schuhe besohlen läßt. Oder besser noch Oma besorgt sich ihren gleich selbst im Kaufhaus an der Schlüsselbar (noch einmal 10 EUR gespart). Mit dieser Argumentation konfrontiert, kann der Sicherheitsfachmann nur lächeln. Denn er kennt die für Schließzylinder relevanten Bewertungskriterien und weiß die von der Industrie angebotenen Produkte einzuordnen (oder etwa nicht)? Für höherwertige Schließzylinder reicht die Bezeichnung „mit Bohrschurz“ nicht aus und eine eventuell angebotene Sicherungskarte ist keine Garantie dafür, daß Schlüsselkopien nicht auch ohne Vorlage derselben zu erhalten sind. Ganz legal, zwar nicht als Original mit der dazugehörenden Gewißheit der Funktions- und Lebensdauergarantie, dafür aber einfach, ohne Formalitäten, vielleicht auch für den nicht rechtmäßigen Sicherungskarten- und Schlüsselinhaber. Wir wollen uns im folgenden mit den Bewertungskrirerien höherwertiger Schließzylinder befassen. Um das Thema abzugrenzen, ist es vorerst notwendig, die Formulierung „höherwertig“ zu erklären. Die im März 1991 erschienene neue DIN 18 252 „Schließzylinder für Türschlösser, Begriffe, Benennungen“ definiert die Begriffe Aufsperrsicherheit, Nachschließsicherheit und Abtastsicherheit. Zusätzlich geht es beim Schließzylinder um „Einbruchsicherheit“ und die Sicherheit des Schließsystems gegen unbefugte Beschaffung von Schlüsselkopien, hier kurz „Schlüsselsicherheit“ genannt. Diese insgesamt fünf Kriterien sollen unter Zugrundelegung der DIN 18252 und DIN V 18254 näher betrachtet und an Hand von Beispielen unterschiedliche Lösungen gezeigt werden. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, daß die DIN V 18254 ausschließlich Profilzylinder mit konventionellen Stiftzuhaltungen beschreibt. Die dort formulierten Anforderungen lassen sich auch mit anderen Mitteln als Stiftzuhaltungen erftillen, z.B. Scheibenzuhaltungen, axiale Zuhaltungselemente, über Fingerstifte gesteuerte Sperrleisten, anschlaglos arbeitende Magnetzuhaltungen und die breit gefächerten Möglichkeiten der Elektronik, ohne daß diese Zylinder nach der genannten DIN V 18 254 bewertbar sind. Diese Norm hat nur Gültigkeit für Profilzylinder mit konventionellen Stiftzuhaltungen. Der hochwertige Schließzylinder zeichnet sich im allgemeinen dadurch aus, daß er nicht nur in einzelnen Anforderungskriterien Spitzenleistungen aufweist, sondern daß er hinsichtlich der Erfüllung von Sicherheitskriterien ausgewogen „höherwertig“ ist. In speziellen Punkten können Sicherheitskriterien jedoch auch von anderen, mit dem Profilzylinder zusammenwirkenden Bauelementen und Maßnahmen erfüllt werden. Dies sind insbesondere Schutzbeschläge nach DIN 18 257 und Schlösser, meistens Einsteckschlösser nach DIN 18 250, 18 251 und Rohrrahmenschlösser. Aber auch in Schlüsseltresoren, elektrischen Scharfchalteinrichtungen und speziellen Verschlüssen kommen Schließzylinder zum Einsatz. Deren Beschreibung und die Auseinandersetzung mit den hierfür relevanten Sicherheitsmerkmalen würde den Rahmen des vorliegenden Themas jedoch sprengen. Die im Juli 1991 erschienene DIN V 18254 „Profilzylinder mit Stiftzuhalrungen für Türschlösser, Maße, Werkstoffe, Anforderungen, Prüfungen, Kennzeichnung“ sieht für Profilzylinder drei Anforderungsklassen vor. In ihnen sind alle wesentlichen Mindestanforderungen beschrieben. Es wird eine Ausgeglichenheit der Leistungsmerkmale gefordert. Um diese näher zu beleuchten, beginnen wir bei der vorliegenden Betrachtung mit dem bekanntesten Kriterium. |

